BOEING - EIN DEUTSCHER NAME

FLIEGT UM DIE WELT (Charles F. Lill)

Jeder kennt den Namen Boeing: Groesster Flugzeug-Hersteller der Welt, mit 110,000 Mitarbeitern und 8,133 Millionen Dollar Jahresumsatz (1979). Fast jeden Tag verlaesst ein fertiger Jet die riesigen Montagehallen in und um die 1,5-Millionen-Stadt Seattle in der Nordwest-Ecke der USA. Die Boeing 737, von der in 15 Jahren 1,800 Stueck gebaut wurden, ist der Bestseller der internationalen Zivil-Luftfahrt. Und Computer-Analysen zufolge reisen jeden Monat rund 28,7 Millionen Passagiere in Boeing-Jets.


Doch wer weiss, dass mit ihnen gewissermassen auch ein deutscher Name rund um die Welt, fliegt, dass Firmengruender William Edward ("Bill") Boeing, der Sohn eines Auswanderers aus, dem westfaelischen Hohenlimburg war?


Wilhelm Boeing hatte sein Heimat 1868 als 22jaehriger verlassen - nicht nur, weil die Verhaeltnisse in dem kleinen Staedtchen dem aussergewoehnlich tatkraeftigen und begabten Kaufmann keine Entfaltungsmoeglichkeit boten, sondern sicher auch wegen des sehr schlechten Verhaeltnisses zu seinem aeusserst strengen Vater.


Als Wilhelm Boeing in Detroit ankam, hatte er keinen Dollar in der Tasche. Erst nach monatelanger Suche fand er Arbeit - zunaechst auf einer Farm, dann als, Bretterstapler fuer 9 Dollar in der Woche. Die Wende kam, als er eine Anstellung in einer Eisenwarenhandlung erhielt. Dort wurde ein Holzhaendler auf ihn aufmerksam und nahm ihn als Buchhalter in seine Dienste.


Wilhelm Boeing sammelte fuenf Jahre lang Erfahrungen ehe er sich mit Hilfe eigener Ersparnisse und dem Erbteil seiner Mutter selbst im Handel mit Holz und Holzlaendereien etablierte. Er erwarb riesige Laendereien, da es in Amerika beim Holzkauf ueblich war, das Land, auf dem die Baeume wuchsen, mit zu erwerben. Darueber hinaus war er Praesident eines Eisenwerkes, Bankdirektor und Aktionaer einer Lebensversicherungsgesellschaft. Sein wirtschaftlicher Aufstieg war kometenhaft. Als er am 10. Januar 1890 im Alter von nur 48 Jahren an Influenza starb, hinterliess er seiner Frau und seinen drei Soehnen ein Vermoegen, das auf eineinhalb Millionen Dollar geschaetzt wurde.


William Edward Bloeing war damals gerade acht Jahre alt. Dass er sich mit seinem spaeteren Stiefvater nicht verstand und ausserdem jahrelang ein Internat in der Schweiz besuchte, war wohl nicht zuletzt dafuer ausschlaggebend, dass er bereits frueh lernte, sich auf sich selbst zu verlassen.


Das besondere Interesse fuer die Luftfahrt aber erwachte bei William Edward Boeing, - wie der Hagener Stadtarchivar Walter K. B. Holz in einem Beitrag fuer den Hagener Heimatkalender der 1961 zu berichten weiss - im Jahre 1961. Zusammen mit Conrad Westervelt, einem Ingenieur-Offizier der amerikanischen Marine, besuchte er einen Flugtag. Beide erkannten hier gleichermassen erschauernd die grossen Zukunftsmoeglichkeiten der Luftfahrt. 1914 unternahmen sie mehrere Fluege mit einem oertlichen Flugpionier und nach einem solchen Flug erklaerte Boeing mit einem Blick auf das Wasserflugzeug, mit dem sie gerade gelandet waren, Westervelt gegenueber lakonisch: "Ich denke, wir koennen ein besseres bauen."


Boeing lernte 1914 fliegen, dann bildete er eine Belegschaft, mit der er wenig, spaeter ein paar Wasserflugzeuge baute. Tief berunruhigt in dieser Zeit des ersten Weltkrieges war Boeing ueber den amerikanischen Rueckstand auf dem Gebiet der Luftfahrt. Er warf ueber der Stadt Seattle Flugzettel ab, auf denen er zum Unwillen der oertlichen Pazifisten militaerische Vorbereitungen forderte. Am 15. Juli 1916 konnte er die Pacific Aero Products Company aus der Taufe heben, die spaeter den Namen Bloeing Airplane Company erhielt. Nach dem Regierungsauftrag auf den Bau von 50 Modell-C-Schulflugzeugen kam ein neuer auf eine Anzahl von Patrouillenflugzeugen. Vor der Gesamterledigung des Auftrages jedoch erfolgte die Unterzei:chnung des Waffenstillstandes, die zur Einstellung der Produktion fuehrte.


Als ihm 1926 vorgeschlagen wurde, sich fuer die Luftpoststrecke Chicago - San, Francisco zu bewerben, konnte er aus seiner genauen Sachkenntnis ein Angebot abgeben, das weitaus niedriger lag als die seiner Mitblewerber. Doch nach Gruendung der Boeing Air Transport hielt sich die Industrie: zurueck und wartete auf seinen Bankrott. Aber das Unternehmen bluehte, weitere Luftlinien entstanden unter dem Boeingschen Banner, spaeter vereinigt unter dem Namen United Air Lines. Mit den Triebwerksbauern Pratt & Whitney bildete Boeing dann die; United Aircraft & Transport Corporation welche die bedeutendste Firma der amerikanischen Luftfahrt wurde und in wirtschaftlichster Weise Herstellung, und Einsatz verband.


Doch das Jahr 1934 brachte regierungsseitig die Aufloesung dieser privatwirtschaftlichen Machtzusammenballung. Boeing trat als Vorsitzender zurueck und zog sein Kapital ab. Jahrelang hatte er Geld verloren, um ein junges Werk hochzubringen. Nun, als es eintraeglich wurde, schien er irgendwie verdaechtig. Das beleidigte seinen Gerechtigkeitssinn, verletzte und erblitterte ihn. Er verliess, die Industrie, in der er so pionierhaft taetig gewesen war.