Architektur

Architektur in Wien 1900

[English]

next level

Die Architektur der Wiener Jahrhundertwende kulminiert in dem Funktionalismus von Adolf Loos, dessen Bauweise eine zentrale Rolle in der Entwicklung der Sprache der architektonischen Moderne und Postmoderne im zwanzigsten Jahrhundert gespielt hat. Max Fabianis, Josef Maria Hofmanns, Josef Maria Olbrichs, Josef Plecniks und Otto Wagners Entwürfe von Wohnhäusern, ihre Pläne für die innenarchitektonische Gestaltung dieser Häuser wie auch ihre größeren städtebaulichen Projekte sind Beispiele für die experimentierfreudige Einstellung, die diese Periode bestimmt hat. Moderne Architektur, wie sie von Otto Wagner in seinem gleichlautenden Manifest definiert wurde, ist charakterisiert durch einen äußerst progressiven Stil, der sich als Antwort auf die Notwendigkeiten des modernen Lebens versteht und die technischen Errungenschaften der Zeit funktionalistisch integriert. Wagners Pamphlet über Moderne Architektur ist 1896 erschienen und hat eine ganz neue Gestaltungsmethode vorgestellt, die für die architektonische Praxis des zwanzigsten Jahrhunderts richtungsweisend wurde. Statt des historischen Eklektizismus, der noch die Gebäude und Monumente der Ringstrasse bestimmt hat, war Wagner der Meinung, dass der Ausgangspunkt für die Architektur seiner Zeit nur im modernen Leben liegen kann. Er hat von daher mit formalen Elementen und plastischen Dekorationen gebrochen, die noch die Architektur des neunzehnten Jahrhunderts bestimmt haben. Wagners Postsparkasse von 1911-1912 beispielsweise hat ganz glatte Linien, die seiner Idee entsprechen, dass das "moderne Auge" den Sinn für kleinere Details verloren hat und sich mehr an längere gerade Formen, breitere Oberflächen und einfachere Linien gewöhnt hat. Die Majolica Facade der Wohnhäuser auf der Linken Wienzeile 40 hat ebenfalls diesen Effekt der räumlichen Unterteilung der Oberfläche, die dem Bild der modernen Großstadt entsprechen soll.